Von: Hannelore Rodrian [mailto:haro7@web.de]
Gesendet: Montag, 22. Juli 2013 19:10
An:
hunkapi@gmx.de; 'Angela G'
Betreff: Glühwürmchenkurier 3: Menschen wie diese - und Neues von Robbie.
Wer zufällig die „Waisenseelen“ gelesen hat kennt ihn – (die übrigen können das ohne weiteres nachholen): ein kleiner, rabenschwarzer, krummbeiniger, knickohriger Straßenhund, geboren und aufgewachsen in Varna am Schwarzen Meer, wo er mindestens drei, vielleicht vier Jahre überlebt hatte – eine ziemliche Leistung in einem Land, in dem es von Isolatoren der übelsten Art nur so wimmelte.
Damals – und heute vermutlich wieder, mit oder ohne Tierschutzgesetz.
Er lief einer alten Tierfreundin über den Weg, die ihn erstmal gegen eine Horde Jugendlicher verteidigte und sodann beschloss ihn den Gefahren der Straße nicht länger auszusetzen, sondern in D ein Zuhause für ihn zu finden. Er landete zunächst in einem Brandenburger Tierheim, das seine Vermittlung als möglichen Lottosechser ansah – also als ziemlich unwahrscheinlich – dann bei mir, weil er im Zwinger fast verrückt wurde, und schließlich bei einer Oma und ihrem Sohn, Haus-und Großgartenbesitzer.
Dort blieb er fünf Jahre – bis Oma starb und der Sohn den mittlerweile grauschnäuzigen Hund kurzerhand in der Walachei aussetzte, weit weg von Haus und Großgarten. Aber er hatte wieder Glück und wurde gefunden, landete erneut im selben Tierheim – und seine Aussichten dort jemals wieder herauszukommen standen nunmehr bei einem zweifachen Lottosechser.
Angesichts der unbestreitbaren Tatsache, dass es im Internet mittlerweile von Notnasen nur so wimmelte, er weder jung noch putzig und alles andere als fotogen war, und inzwischen sogar krank, muss man einfach annehmen, dass er einen Engel an seiner Seite hatte – oder einen ganzen Schwarm davon, denn in Stade – so einige Meterchen von Brandenburg entfernt – lebte eine Familie, die kurz zuvor von einer bulgarischen Hundedame namens Suse adoptiert worden war, einer willenstarken Amazone mit Übergewicht und sperrigem Charakter, den sie sich als Herrin einer Bande Streuner, die von ihr eisenhart regiert wurde, angeeignet hatte.
Wer einen solchen Hund aufnimmt und über alles liebt, der nimmt vielleicht auch einen zweiten, (wobei Robbies Wesen zwar charakterfest aber von Herrschsucht weit entfernt als freundliche Ergänzung gelingen konnte) und liebt ihn auch – so die Hoffnung.
Es gibt sie wirklich, diese Menschen. Jeder von uns kennt welche und kann manchmal das Glück kaum fassen, wenn sich die Lottosechser tatsächlich solche herausstellen und die ärmsten aller armen Geschöpfe Aufnahme bei ihnen finden, von ihnen gehegt, gepflegt und aufgepäppelt werden und noch einmal Wärme, Geborgenheit und Glück im Leben erfahren dürfen. Manchmal ist es nur kurz, aber es war doch zumindest da und gab noch einmal ein kleines Licht in einem ansonsten dunklen Dasein; und manchmal kann die schon verlorene Seele noch alles nach-und aufholen, um dem Leben alles abzutrotzen (oder zu schmeicheln), was es ihm bislang verwehrt hatte.
Die Familie kam samt Suse, bezahlte die nicht unerhebliche – (und in meinen Augen anzweifelhafte) – Schutzgebühr und holte den kranken Hund, der dort nicht mehr lange überlebt hätte, nach Hause, versorgte ihn, ließ ihn behandeln, sogar operieren – und liebte ihn.
Sie liebt ihn noch immer, denn er lebt noch immer, mindestens 15 Jahre alt und ein Graubart, der Würde und Weisheit ausstrahlt – und das Glück der letzten Jahre.
Danke Kathrin, Hans und Lisa. (Und Suse, die ihn als Gefährten annahm)
Und danke an euch alle, die ihr einen Robbie oder eine Suse bei euch aufgenommen habt.
Danke für eure Liebe.


Glühwürmchenkurier der Dritte – lasst uns leuchten.