Wenn man im Tierheim arbeitet, muss man starke Nerven haben. Und wie ich bei
meinen Beobachtungen hier im Büro festgestellt habe, können die Mitarbeiter
hier so einiges Elend und Leid wegstecken (ich glaube, sonst würde man den
Tierheimalltag mit all seinen Höhen und Tiefen auch nicht überstehen).
Es gibt aber manche Dinge, die einfach niemanden kalt lassen.
Sie erinnern sich bestimmt an das letzte Jahr, in dem so viele
Langzeitinsassen ein Zuhause gefunden haben? Hank, Lucky, Luna, Nike, Feli,
Rita, Rocky, (ich!) und noch einige andere sind nach langen Jahren im
Tierheim in ein neues Zuhause umgezogen und haben den Mitarbeitern bewiesen,
dass man die Hoffnung niemals aufgeben darf.
Auch die Staffordshire-Hündin Marla hat 2007 ihr Zwingerdasein hinter sich
gelassen. Für immer, wie alle dachten.
Marla war 1997 als junger Hund in Köln unter einer Brücke gefunden worden.
Ihr Gesäuge war extrem ausgeprägt, sie war mit Sicherheit als Gebärmaschine
missbraucht worden.
Sie hat sage und schreibe 10 lange Jahre hier im Tierheim verbracht, fast
ihr ganzes Leben. In all der Zeit wurde sie von sehr netten ehrenamtlichen
Spaziergängern betreut, aber alle wünschten ihr so sehr ein neues Zuhause.
Im September letzten Jahres sollte dann endlich Marlas großer Tag gekommen
sein.
Eine nette Familie kam ins Tierheim, die speziell nach einem alten Hund
suchte. Es sollte einer sein, den keiner mehr will, der auf seine alten Tag
noch ein schönes Zuhause bekommen sollte und auf keinen Fall im Tierheim
sterben sollte.
Marla mit ihrer mittlerweile weißen Schnauze war die Auserkorene und schon
bald durfte sie in ihr neues Zuhause umziehen.
Die Freude war auf allen Seiten riesengroß und noch vor nicht allzu langer
Zeit besuchten Marlas Paten ihren Schützling im neuen Zuhause und wussten
nur Positives zu berichten.
Umso schockierender war die kurze und sehr sachliche Email, die uns letzte
Woche erreichte.
Marla würde wegen eines Umzuges wieder zurück ins Tierheim müssen.
Keine großen Erklärungen, kein Versuche, eine andere Lösung zu finden,
einfach nur: Marla kommt am Samstag zurück. Punkt.
Am besagten Tag wurde die alte Staffordshire-Hündin ohne große Worte hier
abgegeben.
Mit hängendem Kopf ging sie in ihren Zwinger und man kann nur ahnen, was die
alte Hündin momentan durchmacht.
Es ist nicht das erste Tier, das aus der Vermittlung zurückkommt, und
manchmal leuchten den Mitarbeitern die Gründe für eine Rückgabe auch ein,
aber was da in Marlas neuem Zuhause passiert ist, kann hier einfach niemand
begreifen und macht alle sehr traurig. Warum haben die Leute nie vorher hier
angerufen? Warum wurde nicht versucht, zusammen eine Lösung für die alte
Hündin zu finden?
Marla hat nicht mehr alle Zeit der Welt und umso schlimmer ist es, dass sie
jetzt wieder bei Null anfangen muss.
Marlas Paten kümmern sich rührend um die Hündin und versuchen ihr den "ach
so vertrauten" Tierheimalltag zu versüßen, aber alle hier haben einen dicken
Kloß im Hals, wenn sie an ihrem Zwinger vorbeigehen.
Und da fragte man mich, ob ich in meiner Kolumne nicht mal ein gutes Wort
für meine vierbeinige Kollegin einlegen könne. Aber klar, Tierheimhunde
müssen zusammenhalten und wenn sogar ich alte Heckenschere ein Zuhause
gefunden habe, sollte es für Marla ein Kinderspiel sein, eine liebe Familie
zu finden, die sie nie wieder hergibt!
Marla ist eine sehr liebe Hündin, die mit Rüden gut verträglich ist. In
ihrem letzen Zuhause lebte ein kleines Kind, mit dem sie prima zurechtkam.
Sie ist jetzt ca. 12 Jahre alt, hat ein wenig Arthrose und bekommt
Herztabletten, ist aber ansonsten noch topfit.
Wer also noch ein kleines Plätzchen für die Hündin frei hat, möge sich bitte
ganz schnell hier melden - bevor Marla sich wieder an das Leben im Zwinger
gewöhnen muss.
LG,
Christina
Fotos und Text auch unter:
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